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Musiktipp

Gorillaz - Humanz

So lange sich die Spitze der internationalen Pop-Musik um politische Statements bitten ließ, so flächendeckend tauchen sie nun spätestens seit der Präsidentschaft Donald Trumps auf. Logisch, dass sich da auch der seit jeher meinungsstarke Damon Albarn nicht aus der Verantwortung stiehlt, sondern gleich einen Kommentar zur Lage der gesamten Menschheit abliefert. Dass er hierzu ausgerechnet die eigentlich eingemotteten Gorillaz auspackt, ist durchaus kritisch zu betrachten: Zwar widmete sich das Cartoon-Quartett bereits mit „Plastic Beach“ einem sozialkritischen Themenkomplex, doch verband Albarn die grundlegende Botschaft dort noch schlüssig mit der übergeordneten Geschichte der Band.

Auf „Humanz“ ist dieses Verhältnis nicht mehr so eindeutig geregelt, vielmehr scheinen die neuen, hanebüchenen Abenteuer von 2D, Noodle, Murdoc und Russel irgendwie losgelöst von diesem Album zu existieren, parallel zu der untergeordneten Rolle, die sie hier musikalisch spielen. Fast keiner der 14 regulären Songs, zieht man Intro und Interludes ab, kommt ohne Feature aus, und tatsächlich klingt vieles hier nach einem eklektizistischen DJ-Set, das Albarn jedoch mit sicherer Hand und einem guten Gespür für Dynamik kompiliert hat. Richtig melancholisch wird es nur einmal, ausgerechnet bei „Blue And Busted“, dem einzigen Stück, das vollkommen ohne Features auskommt und wie ein Ruhepol inmitten dieses kreativen Wirrwarrs funktioniert..

Das zeichnet sich neben einem gewissen Hang zu zeitgenössischen Club-Sounds gerade dadurch aus, dass jede Produktion auf den jeweiligen Gast eingeht, entweder maßgeschneidert scheint oder ihn spielerisch herausfordert. Popcaan muss sich so etwa mit einem sinistren Stück Future-Pop herumschlagen, während Jenny Beth sich im Rahmen des finalen, triumphalen „We Got The Power“ weit vom düsteren Post Punk ihrer Hauptband Savages entfernt. Lediglich Grace Jones bleibt blass, ausgerechnet im energischen „Charger“, das bis auf diesen Makel jedoch voll überzeugt und damit stellvertretend für dieses Album steht: So schlecht die Ausgangssituation politisch wie konzeptuell ist, so harmonisch fügen sich die einzelnen Teile auf „Humanz“ zusammen.

Track List

1.   Intro: I Switched My Robot Off
2.   Ascension (feat. Vince Staples)
3.   Strobelite (feat. Peven Everett)
4.   Saturnz Barz (feat. Popcaan)
5.   Momentz (feat. De La Soul)
6.   Interlude: The Non-Conformist Oath
7.   Submission (feat. Danny Brown & Kelela)
8.   Charger (feat. Grace Jones)
9.   Interlude: Elevator Going Up
10.   Andromeda (feat. D.R.A.M.)
11.   Busted And Blue
12.   Interlude: Talk Radio
13.   Carnival (feat. Anthony Hamilton)
14.   Let Me Out (feat. Mavis Staples & Pusha T)
15.   Interlude: Penthouse
16.   Sex Murder Party (feat. Jamie Principle & Zebra Katz)
17.   She's My Collar (feat. Kali Uchis)
18.   Interlude: The Elephant
19.   Hallelujah Money (feat. Benjamin Clementine)
20.   We Got The Power (feat. Jehnny Beth)

Mit sicherer Hand und einem guten Gespür für Dynamik kompiliert .