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Musiktipp

Meat Wave – The Incessant

Obacht, liebe Hi-Fi-Freunde: Meat Wave haben sich in Sachen Sound für ihr drittes Album Unterstützung von Steve Albini besorgt. Seit den 80er Jahren setzt der Mann regelmäßig Impulse in der alternativen Rockmusikszene und ist dabei mehr Dissident als Produzent. Vor allem gilt sein Name jedoch als Qualitätssiegel: Bands, die bei ihm aufnehmen, liefern in der Regel ab. Ähnliches gilt auch für „The Incessant“.

Meat Wave haben mit diesem Album endlich den Fokus gefunden, der ihren vorherigen Veröffentlichungen fehlte. Gerade „Delusion Moon“ von 2015 zeigte Potential, hatte die schmissigen Strophen und die einnehmenden Hooklines, aber in Gänze eben auch zu viel unterentwickeltes Füllmaterial. Gemeinsam mit Albini hat sich das Trio nun jeglichen Midtempo-Ballasts entledigt und lässt unausgereifte Songideen einfach in ätzendem Krach aufgehen, der eine perfekte Ergänzung zu den ohnehin vorhandenen Hardcore-Einflüssen darstellt.

Das Album beginnt nicht wie die Vorgänger mit einsamen Gitarrentönen, die die Stille wie zarte Zweige durchbrechen, sondern mit synthetischen Bläsern, einem rhythmisch durchbrochenen Basslauf und einem geraden Beat. Alles klassische Elemente für einen Clubhit. Im weiteren Verlauf des Albums kommen dann auch eingefleischte The XX Fans auf ihre Kosten, wenn die zarten Duette zwischen Croft und Sim einsetzen und Zweisamkeit, Einsamkeit und Verschmelzung thematisieren. Unterm Strich öffnet sich die Band aber für neue Elemente, auch wenn es nur ein Klavier ist, das rhythmisch und selten melodisch agiert und damit Räume für die Vocals eröffnet.

Track List

1. To Be Swayed
2. Tomosaki
3. Run You Out
4. Leopard Print Jet Ski
5. Bad Man
6. No Light
7. Glass Teeth
8. The Incessant
9. At The Lake
10. Mask
11. Birdland
12. Killing The Incessant


Doch Meat Wave bieten Katharsis an: Am Ende der Platte steht der Song „Killing The Incessant“, ein Stück, das den Titelsong gewissermaßen rückwärts abschreitet, den Krach dabei jedoch noch weiter zuspitzt und schließlich mit einer friedlichen, einsamen Akustikgitarre endet. Ein paar Momente der Kontemplation gönnt die Band dem Hörer nach all der Wut, der Unzufriedenheit, der Isolation. „The Incessant“ gibt sich sicher keine Mühe, seinem Hörer ein wohliges Gefühl zu vermitteln, doch gerade damit überzeugt das Album. Nur wenigen Bands gelingt es wie Meat Wave hier, den Finger so passgenau zwischen pulsierendem Noise und eingängigem Indie-Songwriting zu platzieren.

„The Incessant“ ist dadurch ein recht düsteres Album geworden, das sich jedoch nie in Tristesse verliert.