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Musiktipp

Young Fathers – Cocoa Sugar

Als Band offene Fragen zu beantworten, kann gewaltig nach hinten los gehen – gerade, wenn man sich, wie Young Fathers, knapp neben dem Mainstream bewegt. Dort hatte es sich das schottische Trio zu Beginn der Dekade gemütlich gemacht, als Künstler aus unterschiedlichsten Ecken krochen, um gemeinsam das Genre Hip-Hop zu renovieren. Zwischen Krach und Einklang fanden die ersten Mixtapes des Projekts mitten in der allgemeinen Aufbruchstimmung zu einer eigenen Handschrift, die das Debütalbum „Dead“ nicht ganz auszuformulieren wagte. Klar, wer sich festlegt, der macht sich verdächtig: Soll es das hier jetzt gewesen sein, Sound definiert, Geschichte auserzählt?

Andererseits wirkte der Kompromiss der Band zwischen alter Verpflichtung zur Skizze und neuem Fokus auf Eingängigkeit irgendwie halbherzig, eine Entscheidung musste also her, oder zumindest ein besserer Kompromiss. Den liefert nun spätestens „Cocoa Sugar“, auf dem potentielle Hits wie „In My View“ neben abschmierenden Klangexperimenten wie „Holy Ghost“ liegen, ohne dass sich die Ansätze gegenseitig diskreditieren. Nicht zuletzt funktioniert die Platte, weil Young Fathers hörbar viel Zeit und Konzentration in kleinteiliges Songwriting gesteckt haben: In jedem Stück, egal wie harmonisch, lauert ein dröhnender Bass, eine verzerrte Stimme oder ein obskurer Dudelsack wie im Closer „Picking You“, mindestens irgendein Bestandteil jedenfalls, der das Klangbild aufbricht, ohne es zu demolieren.

Im Umkehrschluss beißt sich auch das verquere, mit leierndem Beat und überzogenen Vocals ausgestattete „Wow“ im Ohr fest, vermutlich gerade weil die unterschiedlichen Stimmen innerhalb des Songs so weit auseinander klaffen. Ein geschärftes Gespür für Arrangements ebenso wie pointierte Dynamik beweist bereits der Opener „See How“, der sich musikalisch parallel zum Selbstbewusstsein des Protagonisten steigert. Erfolgsdruck, permanente Selbstbespiegelung und die Rolle, die Spiritualität in all dem spielen kann, diesen Themen widmen sich Young Fathers auf „Cocoa Sugar“ und fangen sie intensiv, aber unprätentiös ein. Manche Fragen mögen mittlerweile gelöst sein, doch die Antworten, die das Trio gefunden hat, sind definitiv überzeugend.

Nicht zuletzt funktioniert die Platte, weil Young Fathers hörbar viel Zeit und Konzentration in kleinteiliges Songwriting gesteckt haben

Track List

1  See How
2  Fee Fi
3  In My View
4  Turn
5  Lord
6  Tremolo
7  Wow
8  Border Girl
9  Holy Ghost
10  Wire
11  Toy
12  Picking You