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Musiktipp

Kamasi Washington – Heaven and Earth 

Es ist nicht überliefert, wie viele Quentin-Tarantino-Filme Kamasi Washington in seinem Leben gesehen hat. Unklar bleibt auch, ob der Regisseur überhaupt irgendeinen Einfluss auf den vielgerühmten Jazz-Erneuerer hatte, am Ende ist es aber auch ein bisschen egal, was der Musiker Washington von Tarantino hält. Als Hörer seines zweiten öffentlichkeitswirksam veröffentlichten Albums „Heaven and Hell“ fühlt man sich mehrmals an die Vergangenheit erinnert, gleichzeitig aber auch auf eine höchstens ein bisschen nostalgische Art berührt – ganz so, wie es einst „Pulp Fiction“ oder „Inglourious Basterds“ gelang.

 

 

Zudem schafft es Washington gerade, ähnlich wie Tarantino, durch clevere Rekombination einem totgesagten Stil neues Leben einzuhauchen. Wenn gerade darüber diskutiert wird, wie viel Innovation ein Album wie „Heaven and Earth“ wirklich leistet, ist man schlecht beraten, auf Solistenleistungen zu verweisen oder mit der Dichte an Einflüssen zu argumentieren. Mitreißend ist diese Platte erneut, weil sie Jazz als Mittel der Agitation, der Spiritualität, der pulsierenden Vitalität, aber eben auch der Geschichtsüberlieferung begreift. Verbunden werden die Songs nicht zuletzt von einem Gefühl der Größe – wie sollte man anders auch ein mit rund 145 Minuten mehr als üppig ausgefallenes Album zusammenhalten? Erinnerungen an Soundtracks schwingen ab der wuchtigen Eröffnung „Fists Of Fury“ mit und bleiben auch erhalten, wenn die Stücke mal ätherisch („The Space Travelers Lullaby“) oder vertrackt („One Of One“) werden.

Rein strukturell profitiert die Platte zusätzlich von ihrer Zweiteilung, deren metaphysisches Konzept man nicht mitkaufen muss, um den erzeugten, doppelten Spannungsbogen zu sehen. Den Höhepunkt dieser vielseitigen, fast immer lohnenden Platte stellt dann auch ihr letztes Viertel da, mit immer deutlicher werdenden Gospel-Einflüssen, einem guten Gespür für die Kraft hinter Fusion und dem Wissen um die produktive Nervosität, die in dieser Form bis heute nur Jazz in Stücken wie „The Psalmnist“ verwirklichen kann. Vor allem in diesen Momenten, in denen alle Stärken ineinandergreifen, erschließt sich die wirkliche Relevanz dieser Platte und des Musikers dahinter.

Mitreißend ist diese Platte erneut,..

Track List

1    Fists Of Fury
2    Can You Hear Him
3    Hub-Tones
4    Connections
5    Tiffakonkae
6    The Invincible Youth
7    Testify
8    One Of One
9    The Space Travelers Lullaby
10   Vi Lua Vi Sol
11   Street Fighter Mas
12   Song For The Fallen
13   Journey
14   The Psalmnist