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Musiktipp

Kelela – Take Me Apart

Die Zukunft des R’n’B ist mittlerweile so häufig ausgerufen worden, dass man reflexartig abwinken möchte, sobald die Sprache mal wieder auf eine Nachwuchshoffnung kommt, die angeblich alles anders macht. Es ist nun ein besonderes Privileg der US-amerikanischen Künstlerin Kelela, bereits seit vier Jahren als Zukunft des Genres gehandelt zu werden – gerade als der Hype um unterschiedliche Künstler wie The Weeknd, Frank Ocean, James Blake und FKA Twigs so richtig hochkochte, veröffentlichte sie mit „Cut 4 Me“ ein Mixtape, das den Zeitgeist perfekt einfing.

Wo andere Kolleginnen auf diesen temporären Hype mit schnellen Releases reagierten, da entschied sich Kelela, in aller Ruhe an ihrem Sound zu feilen. Diese Arbeit hört man nun ihrem Debüt-Album deutlich an: „Take Me Apart“ besteht aus vielen Schichten, kreist zwar um den R’n’B 90er, streckt sich aber immer wieder in verschiedenste Richtungen. Gegensätze werden dabei nicht geleugnet, sondern sind fester Bestandteil ihres klanglichen Programms: Wo sie „Better“ als sanfte Ballade im Chor mit sich selbst singt, da begibt sich „LMK“ auf einem Jam City Beat ohne Umwege in Richtung Club und während der Titeltrack von Naturgeräuschen durchzogen ist, da klingt ein Stück wie „Blue Light“ entrückt-futuristisch.

Verantwortlich für diese Vielseitigkeit sind nicht zuletzt die zahlreichen kreativen Partnerschaften, die Kelela während des Produktionsprozesses einging. Romy Madley-Croft brachte sicherlich ihr bei The xx entwickeltes kompositorisches Feingefühl an den Tisch, während es wohl vor allem Produzenten wie Arca (etwa im krachigen „Enough“) oder Ariel Rechtshaid waren, die die Platte mit Klängen zwischen experimenteller Elektronik und Pop-Appeal ausgestattet haben. Dass diese Vielfältigkeit nicht in Ziellosigkeit mündet, verantwortet aber vor allem die Künstlerin selbst.

Ihre Stimme verleiht den Songs eine deutliche Signatur, lässt sie zwischen Physis und diffuser Körperlosigkeit schwanken und macht „Take Me Apart“ damit zu einer Platte, die dem Fortschrittsversprechen des Genres nicht auf den Leim geht. Stattdessen ist es die Koexistenz vieler Einflüsse, die Kelelas Musik zu einem Spektakel macht.

Ihre Stimme verleiht den Songs eine deutliche Signatur,

Track List

Track List:

1      Frontline

2      Waitin

3      Take Me Apart

4      Enough

5      Jupiter

6      Better

7      LMK

8      Truth Or Dare

9      S.O.S.

10  Blue Light

11  Onanon

12  Turn To Dust

13  Bluff

 

14  Altadena