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Musiktipp

Cat Power – Wanderer 

Ja, der Sound torkelt bisweilen auf Chan Marshalls zehntem Album, doch niemals erlauben sich die Songs, hinzufallen. Zu Beginn ihrer Karriere war das Stolpern, das Wegbrechen ein wichtiges Moment in der unter dem Namen Cat Power veröffentlichten Musik: Gerne schlich sich ein ins Leere laufender Loop ein, oder die Klänge waren gleich derart skelettiert, dass es unklar blieb, ob da überhaupt noch ein Song ist. Im Laufe der Karriere änderte sich dieser Umstand sukzessive, und zuletzt gab es dann „Sun“, ein solides Top-10-Album, stabilisiert von Synthesizern und zuversichtlichen Hooks.

„Wanderer“ ist nun Fortsetzung und Gegenteil dieser Bewegung zugleich: Statt funkelndem Pop gibt es hier behäbige Songs, die sich freimütig an Blues und Folk bedienen und damit maximal als Kaffeehausmusik durchgehen, womit Marshall dann doch wieder an den Vorgänger anschließt. Wo dessen Stabilität auf die Tanzfläche wollte, und sei es nur zu einem selbstsicheren Nicken im Takt, ist es nun jedoch ein überraschendes, entspanntes Understatement, das sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Der Titeltrack, der in zwei Teilen das Album rahmt? Hoffnungsvoll, hymnisch, aber sanft inszeniert. Das Lana-Del-Rey-Feature? Geschmackvoll in den Hintergrund gemischt. Die Gesellschaftskritik in „In Your Face“? Zwischen den Zeilen.

Der alte Hang zum herzzerreißenden Pathos steckt noch in den Songs, schimmert durch manche Melodien, doch wenn Marshall ihre Songs heute nur aus behutsamem Schlagzeug, leichtem Klavier und sachter Gitarre baut, dann weniger um Instabilität zu erzeugen als eine neue Souveränität auszustellen. Dazu passt es dann fast zu gut, wie beliebig Marshall die Rihanna-Single „Stay“ aus den Archiven der Charts fischt und sie in editierter Version ihrer gesamten Theatralik beraubt. In Interviews ist vieles zu dem Album zu lesen, aus dem man an der Geschichte Marshalls weiter bauen kann, gerade in Bezug auf dieses Cover, doch so sehr man auch mit Anekdötchen daran rüttelt: „Wanderer“ steht, und will einfach nicht fallen.

Der alte Hang zum herzzerreißenden Pathos steckt noch in den Songs

Track List

1   Wanderer
2   In Your Face
3   You Get
4   Woman
5   Horizon
6   Stay
7   Black
8   Robbin Hood
9   Nothing Really Matters
10   Me Voy
11   Wanderer/Exit